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Getreidefreies Hundefutter: sinnvoll oder Marketing?

Wann getreidefreies Hundefutter wirklich sinnvoll ist, was hinter dem Trend steckt und worauf du bei der Zusammensetzung achten solltest. Sachlich erklärt, ohne Panikmache.

Redaktion clever-haustiere Aktualisiert 22. Juni 2026 8 Min

Kaum ein Begriff prangt so oft auf Hundefutter-Verpackungen wie “getreidefrei”. Für viele Halter klingt das nach besonders artgerechter, hochwertiger Ernährung. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Getreide für Hunde schädlich, oder ist getreidefreies Futter vor allem ein cleveres Verkaufsargument? In diesem Ratgeber erfährst du sachlich und ohne Panikmache, was getreidefrei bedeutet, wann es tatsächlich sinnvoll ist und worauf du bei der Zusammensetzung achten solltest.

Was bedeutet “getreidefrei” überhaupt?

Getreidefreies Hundefutter verzichtet vollständig auf klassische Getreidearten wie Weizen, Mais, Gerste, Hafer, Roggen und teils auch Reis. Statt dieser Kohlenhydratträger kommen andere Energiequellen zum Einsatz, etwa Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen oder Tapioka. Der Eiweißanteil stammt wie bei jedem guten Futter aus klar benannten tierischen Quellen wie Fleisch oder Fisch.

Wichtig zu verstehen: “Getreidefrei” heißt nicht automatisch “kohlenhydratarm”. Auch Kartoffeln und Hülsenfrüchte liefern Stärke und damit Kohlenhydrate. Die Energie wird also nur aus einer anderen Quelle bezogen. Wer ein getreidefreies Futter kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es nicht zwingend weniger Kohlenhydrate enthält als ein Futter mit Getreide.

Warum ist getreidefreies Futter so beliebt?

Der Trend zum getreidefreien Futter hat mehrere Wurzeln. Zum einen orientieren sich viele Halter am Vorbild des Wolfs und gehen davon aus, dass Getreide nicht in den Napf eines Hundes gehört. Zum anderen haben Berichte über Futterunverträglichkeiten das Thema in den Fokus gerückt. Hinzu kommt das Marketing: Begriffe wie “getreidefrei”, “natürlich” und “artgerecht” wecken Vertrauen und lassen ein Produkt hochwertiger wirken.

Tatsächlich ist der Hund aber kein reiner Fleischfresser, sondern ein Allesfresser, der sich im Lauf der Domestikation an die Verdauung von Stärke angepasst hat. Anders als der Wolf produziert er die nötigen Enzyme, um Getreide zu verwerten. Der Vergleich mit dem Wolf hinkt also. Das macht getreidefreies Futter nicht schlecht, relativiert aber die Vorstellung, Getreide sei für Hunde grundsätzlich artfremd.

Der Mythos: Ist Getreide schädlich für Hunde?

Hier lohnt sich ein nüchterner Blick. Für die große Mehrheit gesunder Hunde ist Getreide gut verträglich und liefert wertvolle Energie sowie Ballaststoffe, die die Verdauung unterstützen. Getreide ist also kein “Füllstoff”, der per se vermieden werden müsste. Entscheidend ist, in welcher Menge und Qualität es eingesetzt wird.

Problematisch wird es eher, wenn Getreide den Hauptbestandteil eines Futters ausmacht und nur als billiger Mengenstrecker dient, während der Fleischanteil niedrig ausfällt. Das ist aber kein Argument gegen Getreide an sich, sondern gegen schlecht zusammengesetztes Futter. Ein hochwertiges Futter mit moderatem Getreideanteil kann genauso gut sein wie ein gutes getreidefreies Produkt. Worauf es bei der Bewertung der Zutatenliste ankommt, erklären wir ausführlich im Hundefutter-Guide.

Ein weiterer Punkt, der zur Vorsicht mahnt: In den vergangenen Jahren wurde diskutiert, ob bestimmte getreidefreie Futter mit hohem Hülsenfruchtanteil mit Herzproblemen in Verbindung stehen könnten. Die Datenlage ist nicht eindeutig, und es gibt keinen bewiesenen Automatismus. Trotzdem zeigt diese Diskussion, dass “getreidefrei” allein kein Qualitätssiegel ist. Wenn dein Hund gesund ist, gibt es selten einen zwingenden Grund, ihn auf getreidefreies Futter umzustellen.

Getreidefrei oder glutenfrei: Wo liegt der Unterschied?

Beide Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber nicht dasselbe.

  • Getreidefrei bedeutet, dass gar kein Getreide enthalten ist, also weder glutenhaltige noch glutenfreie Getreidearten.
  • Glutenfrei bedeutet lediglich, dass kein Gluten enthalten ist. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel steckt. Ein glutenfreies Futter kann aber durchaus Getreide enthalten, etwa Reis oder Mais, die von Natur aus kein Gluten haben.

Für die meisten Hunde ist Gluten unproblematisch. Echte Glutenunverträglichkeiten sind selten und treten gehäuft nur bei einzelnen Rassen auf. Wer also “getreidefrei” und “glutenfrei” gleichsetzt, übersieht, dass es zwischen beiden einen klaren Unterschied gibt.

Wann getreidefreies Futter sinnvoll sein kann

Es gibt durchaus Situationen, in denen ein getreidefreies Futter eine gute Wahl ist:

  • Nachgewiesene Unverträglichkeit oder Allergie. Reagiert dein Hund auf eine bestimmte Getreideart, kann der Verzicht sinnvoll sein. Allerdings sind echte Futtermittelallergien häufiger gegen tierische Eiweiße als gegen Getreide gerichtet. Wie du Auslöser eingrenzt, liest du im Ratgeber zu Futterallergien und Unverträglichkeiten.
  • Empfindliche Verdauung. Manche Hunde mit Blähungen, weichem Kot oder Hautproblemen vertragen ein getreidefreies Futter besser. Ob das wirklich am Getreide liegt, lässt sich nur durch eine sorgfältige Ausschlussdiät klären.
  • Tierärztlicher Rat. Bei bestimmten Diagnosen kann deine Tierarztpraxis ein getreidefreies oder spezielles Diätfutter empfehlen.

Wichtig ist, dass du eine Umstellung nicht aufs Geratewohl vornimmst. Vermutete Unverträglichkeiten solltest du immer mit deiner Tierarztpraxis abklären, statt selbst zu experimentieren. So vermeidest du, dass dein Hund unnötig auf wertvolle Nährstoffe verzichtet. Weitere Hintergründe zur Gesundheit deines Hundes findest du in unserem Überblick zur Hundegesundheit.

Wann getreidefrei nicht nötig ist

Hat dein Hund glänzendes Fell, eine gute Verdauung und ein gesundes Gewicht, gibt es keinen Grund, allein wegen des Trends umzustellen. Ein ausgewogenes Futter mit Getreide ist für einen gesunden Hund völlig in Ordnung. Die Umstellung “vorsorglich” oder weil es modern klingt, bringt in diesem Fall keinen Vorteil.

Kohlenhydratquellen ohne Getreide

Wenn ein Futter getreidefrei ist, muss die Energie aus anderen Quellen kommen. Gängige Alternativen sind:

  • Kartoffeln und Süßkartoffeln: gut verträgliche Stärkequellen, Süßkartoffeln liefern zusätzlich Beta-Carotin.
  • Erbsen und Linsen: Hülsenfrüchte mit Stärke und pflanzlichem Eiweiß. In großen Mengen werden sie kritisch diskutiert, in Maßen sind sie aber eine sinnvolle Zutat.
  • Tapioka und Maniok: leicht verdauliche, hypoallergene Stärkequellen.
  • Kürbis und andere Gemüsesorten: liefern Ballaststoffe und unterstützen die Verdauung.

Diese Zutaten sind kein Selbstzweck. Sie ersetzen lediglich die Funktion des Getreides als Energie- und Ballaststofflieferant. Achte darauf, dass sie nicht den Hauptanteil ausmachen und der Fleischgehalt weiterhin im Vordergrund steht.

Worauf du bei der Zusammensetzung achten solltest

Ob mit oder ohne Getreide: Entscheidend ist die Gesamtqualität des Futters. Diese Punkte sind wichtiger als das Wort “getreidefrei” auf der Vorderseite:

  • Hoher, klar benannter Fleischanteil. “Huhn” oder “Lachs” sind aussagekräftiger als “tierische Nebenerzeugnisse”.
  • Kurze, nachvollziehbare Zutatenliste ohne künstliche Farb-, Lock- und Konservierungsstoffe.
  • Ausgewogene Nährstoffe, also passende Anteile an Eiweiß, Fett, Omega-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen, abgestimmt auf die Lebensphase deines Hundes.
  • Passend zum Bedarf deines Hundes, je nach Alter, Größe und Aktivität.

Wie du diese Kriterien praktisch anwendest und welche Sorten infrage kommen, zeigen wir dir in unserem Ratgeber zum besten Hundefutter. Wenn du grundsätzlich überlegst, ob Trockenfutter oder Nassfutter besser passt, hilft dir der Vergleich Trockenfutter und Nassfutter. Und falls du über eine besonders fleischbetonte Fütterung nachdenkst, lohnt ein Blick auf das Thema Rohfütterung und BARF.

Fazit

Getreidefreies Hundefutter ist weder ein Wundermittel noch grundsätzlich überflüssig. Für gesunde Hunde ist Getreide in der Regel gut verträglich und kein Problem. Sinnvoll wird der Verzicht vor allem bei nachgewiesenen Unverträglichkeiten oder auf tierärztlichen Rat. Lass dich nicht von Schlagworten leiten, sondern schau auf die Gesamtzusammensetzung: hoher Fleischanteil, klare Zutaten und eine ausgewogene Nährstoffversorgung. Beobachte deinen Hund, und besprich Auffälligkeiten im Zweifel mit deiner Tierarztpraxis. So triffst du eine Entscheidung, die wirklich zu deinem Tier passt und nicht zum aktuellen Trend.

Häufig gestellte Fragen

Ist getreidefreies Hundefutter gesünder? Nicht automatisch. Für gesunde Hunde ist Getreide gut verträglich und liefert wertvolle Energie. Getreidefreies Futter ist vor allem bei nachgewiesenen Unverträglichkeiten oder auf tierärztlichen Rat sinnvoll, sonst bringt es keinen klaren Vorteil.

Ist Getreide schädlich für Hunde? Nein. Der Hund ist im Gegensatz zum Wolf an die Verdauung von Stärke angepasst und kann Getreide gut verwerten. Schädlich ist nicht das Getreide selbst, sondern ein schlecht zusammengesetztes Futter mit zu wenig Fleisch und zu viel billigem Mengenstrecker.

Was ist der Unterschied zwischen getreidefrei und glutenfrei? Getreidefrei bedeutet, dass gar kein Getreide enthalten ist. Glutenfrei bedeutet nur, dass kein Gluten enthalten ist. Ein glutenfreies Futter kann also durchaus glutenfreies Getreide wie Reis oder Mais enthalten.

Welche Kohlenhydratquellen stecken in getreidefreiem Futter? Häufig Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen, Tapioka oder Kürbis. Diese ersetzen das Getreide als Energie- und Ballaststofflieferant, liefern aber ebenfalls Kohlenhydrate.

Sollte ich mein Futter vorsorglich auf getreidefrei umstellen? In der Regel nicht. Wenn dein Hund glänzendes Fell, gute Verdauung und ein gesundes Gewicht hat, gibt es keinen Grund für eine Umstellung. Bei vermuteten Beschwerden klärst du die Ursache am besten mit deiner Tierarztpraxis ab.