Übergewicht bei Katzen: gesund zum Idealgewicht
Wie du Übergewicht bei deiner Katze erkennst, welche Risiken es birgt und wie deine Katze langsam und sicher abnimmt. Warum zu schnelles Abnehmen bei Katzen gefährlich ist.
Eine rundliche Katze wirkt auf den ersten Blick gemütlich und zufrieden. Doch was wie Wohlstandsfülle aussieht, ist für deine Katze auf Dauer ein ernstes Gesundheitsrisiko. Schätzungen zufolge ist ein erheblicher Teil der Hauskatzen in Deutschland zu schwer, und viele Halterinnen und Halter merken es gar nicht, weil das Gewicht über Monate und Jahre schleichend zunimmt. Die gute Nachricht: Übergewicht lässt sich erkennen und mit Geduld auch wieder abbauen. Wichtig ist nur, dass das langsam und kontrolliert geschieht, denn gerade bei Katzen kann zu schnelles Abnehmen lebensgefährlich werden.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du erkennst, ob deine Katze zu viel auf den Rippen hat, woher die überschüssigen Pfunde kommen, welche Folgen drohen und wie du deiner Katze auf einem sicheren Weg zum Idealgewicht hilfst.
So erkennst du Übergewicht bei deiner Katze
Anders als bei Menschen gibt es bei Katzen keinen festen Idealwert auf der Waage, denn je nach Rasse und Körperbau ist gesundes Gewicht sehr unterschiedlich. Eine zierliche Hauskatze wiegt vielleicht knapp drei Kilogramm, eine kräftige Maine Coon kann gesund über sechs Kilogramm bringen. Statt auf eine reine Zahl zu schauen, beurteilen Fachleute deshalb den sogenannten Body Condition Score (BCS), eine Einschätzung der Körperverfassung anhand von Tasten und Anschauen.
Setze dich dafür ruhig zu deiner Katze und taste mit flacher Hand über ihren Brustkorb. Bei einem gesunden Tier kannst du die Rippen mit leichtem Druck deutlich fühlen, ähnlich wie wenn du über deine eigenen Fingerknöchel auf dem Handrücken streichst. Spürst du nur eine dicke Fettschicht und musst kräftig drücken, um die Rippen überhaupt zu erahnen, ist das ein klares Warnzeichen.
Schau dir deine Katze außerdem von oben und von der Seite an. Von oben betrachtet sollte sich hinter dem Brustkorb eine leichte Taille abzeichnen. Verschwindet diese Einkerbung und die Katze wirkt tonnenförmig, ist das ein Hinweis auf Übergewicht. Von der Seite betrachtet hat eine schlanke Katze eine leicht hochgezogene Bauchlinie. Eine hängende, prall gefüllte Bauchschürze, die beim Laufen pendelt, deutet ebenfalls auf zu viel Fett hin. Achtung: Eine kleine Hautfalte am Unterbauch, der sogenannte Primordialsack, ist bei vielen Katzen völlig normal und kein Fett.
Auch das Verhalten verrät einiges. Bewegt sich deine Katze ungern, springt seltener auf erhöhte Plätze, putzt sich schlechter im hinteren Bereich oder kommt beim Spielen schnell außer Atem, können das Anzeichen von Übergewicht sein. Im Zweifel lohnt sich immer ein Blick in die Tierarztpraxis, wo das Gewicht und der BCS objektiv beurteilt werden.
Wie es überhaupt zu den Pfunden kommt
Übergewicht entsteht fast immer aus einem Missverhältnis: Die Katze nimmt mehr Energie auf, als sie verbraucht. Die Ursachen dafür sind oft eine Kombination mehrerer Faktoren.
Überfütterung und falsche Portionen. Viele Katzen bekommen schlicht zu viel Futter oder zu viele Leckerlis nebenbei. Gerade wer aus Liebe immer wieder ein Stückchen zusteckt, unterschätzt schnell die Kalorienmenge. Auch Reste vom Tisch summieren sich.
Freier Zugang zu Trockenfutter. Steht den ganzen Tag eine volle Schale Trockenfutter bereit, fressen viele Katzen mehr, als sie brauchen. Trockenfutter ist sehr energiedicht, sodass schon eine kleine Menge viele Kalorien liefert. Die ständige Verfügbarkeit verleitet zum Dauersnacken.
Bewegungsmangel und Wohnungshaltung. Reine Wohnungskatzen haben oft weniger Anreize, sich auszutoben, als Freigänger, die auf Streifzügen jagen und klettern. Ohne Spiel und Beschäftigung sinkt der Energieverbrauch, und überschüssige Kalorien landen als Fettpolster auf den Rippen.
Kastration. Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf vieler Katzen deutlich, während der Appetit häufig gleich bleibt oder sogar steigt. Wird die Futtermenge nicht angepasst, nehmen kastrierte Tiere besonders leicht zu.
Alter und Veranlagung. Mit den Jahren verlangsamt sich der Stoffwechsel, und ältere, ruhigere Katzen verbrauchen weniger. Auch eine genetische Neigung kann eine Rolle spielen. Wie du ältere Tiere insgesamt gut begleitest, liest du in unserem Ratgeber zur Pflege älterer Katzen.
Welche Gesundheitsrisiken Übergewicht mit sich bringt
Übergewicht ist keine Schönheitsfrage, sondern belastet den gesamten Organismus. Zu den ernstesten Folgen gehört Diabetes mellitus. Dauerhaftes Übergewicht kann dazu führen, dass die Körperzellen schlechter auf Insulin ansprechen, was die Zuckerkrankheit begünstigt. Wie sich Diabetes äußert und wie er behandelt wird, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zu Diabetes bei Katzen.
Auch die Gelenke leiden unter dem zusätzlichen Gewicht. Jeder Sprung und jede Bewegung belastet Hüften, Knie und Wirbelsäule stärker, was Arthrose und Schmerzen fördern kann. Eine Katze, die sich wegen der Pfunde weniger bewegt, gerät dabei leicht in einen Teufelskreis aus weniger Aktivität und weiterer Zunahme.
Besonders gefürchtet ist die Leberverfettung, fachsprachlich hepatische Lipidose. Sie tritt vor allem dann auf, wenn eine übergewichtige Katze plötzlich kaum oder gar nicht mehr frisst. Der Körper mobilisiert dann massenhaft Fettreserven, die die Leber nicht verarbeiten kann, sodass sie regelrecht verfettet. Dieser Zustand kann innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden und ist einer der Hauptgründe, warum Katzen niemals hungern sollten und nie zu schnell abnehmen dürfen.
Hinzu kommen ein höheres Narkoserisiko, Belastungen für Herz und Kreislauf sowie eine eingeschränkte Fellpflege, weil sich dickere Tiere schlechter erreichen können. Einen Überblick über weitere Beschwerden findest du in unserer Übersicht zu den häufigsten Katzenkrankheiten.
Warum zu schnelles Abnehmen bei Katzen gefährlich ist
Bei Menschen mag eine radikale Diät kurzfristig erfolgreich wirken, bei Katzen ist sie hochgefährlich. Der Grund liegt im bereits erwähnten Stoffwechsel: Verliert eine Katze zu rasch Gewicht oder verweigert das Futter, schüttet der Körper große Mengen Fett ins Blut aus. Die Leber wird überfordert, und es droht die lebensbedrohliche Leberverfettung.
Deshalb gilt als Faustregel, dass eine Katze pro Woche nur etwa ein bis maximal zwei Prozent ihres Körpergewichts verlieren sollte. Bei einer fünf Kilogramm schweren Katze sind das gerade einmal rund 50 bis 100 Gramm pro Woche. Eine gesunde Gewichtsabnahme zieht sich daher oft über viele Monate. Ein Abnehmplan gehört unbedingt mit der Tierarztpraxis abgestimmt, damit Tempo, Futtermenge und mögliche Vorerkrankungen im Blick bleiben.
So nimmt deine Katze sicher und langsam ab
Mit Geduld und einem klaren Plan lässt sich Übergewicht gut in den Griff bekommen. Diese Bausteine haben sich bewährt.
Portionen abwiegen und kontrollieren
Schluss mit der ständig gefüllten Schale. Stelle die Ernährung auf feste, abgewogene Portionen um und verteile sie auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag. Eine Küchenwaage ist dabei genauer als jedes Augenmaß. Leckerlis sind nicht verboten, müssen aber von der Tagesration abgezogen werden, sonst läuft die Rechnung schnell aus dem Ruder.
Auf das richtige Futter setzen
Hochwertiges Nassfutter sättigt durch den hohen Wasseranteil bei vergleichsweise wenig Kalorien oft besser als Trockenfutter. Spezielle Light- oder Diätnahrung kann den Abnehmprozess unterstützen, sollte aber mit der Tierarztpraxis besprochen werden, damit die Katze trotz weniger Kalorien alle nötigen Nährstoffe bekommt. Worauf es bei guter Katzenernährung grundsätzlich ankommt, erklären wir im Ratgeber zum besten Katzenfutter. Achte außerdem auf ausreichend Trinkwasser, was nebenbei auch Harnwegserkrankungen bei Katzen vorbeugen hilft.
Bewegung und Spiel fördern
Mehr Aktivität ist der zweite Hebel. Plane täglich mehrere kurze Spieleinheiten ein, etwa mit Federangel, Bällchen oder Laserpointer. Spielen vor den Mahlzeiten weckt nicht nur den Jagdinstinkt, sondern verbrennt auch Energie. Kletterbäume, erhöhte Liegeplätze und kleine Suchspiele bringen zusätzliche Bewegung in den Alltag, gerade bei reinen Wohnungskatzen.
Futterstationen und Anti-Schling-Tricks
Verteile das Futter auf mehrere Stationen in der Wohnung oder nutze Futterbälle und Schnüffelmatten, sodass deine Katze für jeden Bissen ein paar Schritte gehen oder etwas tüfteln muss. Das verlangsamt das Fressen, beschäftigt den Kopf und imitiert ein Stück weit das natürliche Jagdverhalten. In Mehrkatzenhaushalten hilft getrenntes Füttern, damit nicht ein Tier die Portion eines anderen mitfrisst.
Geduldig dranbleiben und Fortschritt prüfen
Wiege deine Katze regelmäßig, zum Beispiel alle ein bis zwei Wochen, und notiere die Werte. So erkennst du, ob das Tempo stimmt. Geht es zu schnell oder zu langsam, passt ihr den Plan gemeinsam mit der Tierarztpraxis an. Eine erfolgreiche Gewichtsabnahme braucht vor allem langfristige Konsequenz, und das erreichte Idealgewicht muss anschließend mit angepasster Fütterung gehalten werden. Mehr Grundlagen rund um die Vorsorge findest du in unserem Überblick zur Katzengesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel darf meine Katze pro Woche abnehmen? Als Orientierung gelten etwa ein bis maximal zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche, also bei einer fünf Kilogramm schweren Katze rund 50 bis 100 Gramm. Schneller sollte es nicht gehen, weil sonst die Gefahr einer Leberverfettung steigt. Den genauen Plan stimmst du am besten mit deiner Tierarztpraxis ab.
Woran erkenne ich, ob meine Katze wirklich zu dick ist? Taste die Rippen ab, die du bei normalem Gewicht mit leichtem Druck fühlen können solltest. Achte außerdem auf eine fehlende Taille von oben und eine herabhängende Bauchschürze von der Seite. Eine kleine Hautfalte am Bauch ist dagegen oft normal. Im Zweifel hilft die Beurteilung des Body Condition Score in der Tierarztpraxis.
Warum ist zu schnelles Abnehmen bei Katzen so gefährlich? Wenn eine Katze sehr rasch Gewicht verliert oder das Futter verweigert, schwemmt der Körper große Mengen Fett ins Blut. Die Leber kann das nicht verarbeiten und verfettet, was zur lebensbedrohlichen hepatischen Lipidose führen kann. Deshalb muss jede Diät langsam und kontrolliert ablaufen.
Soll ich auf Trockenfutter ganz verzichten? Nicht zwingend, aber der freie, dauerhafte Zugang zu Trockenfutter ist beim Abnehmen ungünstig, weil es sehr energiedicht ist und zum Dauersnacken verleitet. Feste, abgewogene Portionen und ein höherer Anteil Nassfutter erleichtern die Kontrolle der Kalorien.
Mein Tier frisst plötzlich nicht mehr, ist das schlimm? Ja, eine Katze, die mehr als ein bis zwei Tage kaum oder gar nicht frisst, ist immer ein Notfall, besonders wenn sie übergewichtig ist. Hier droht akut eine Leberverfettung. Suche in diesem Fall umgehend eine Tierarztpraxis auf, statt abzuwarten.
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